Zwitter bei Cannabis – Auslöser, Erkennen, Vererbung

Ein Zwitter, auch Hermaphrodit genannt, ist eine weibliche Pflanze mit zusätzlichen männlichen Blüten. Diese Blüten tragen Antheren, kleine Pollensäcke. Ihr Pollen kann die eigene Ernte und die Nachbarn bestäuben. Zwitter kommen auch ohne Stress vor: In einem Betrieb zeigten 5 bis 10 % der Pflanzen Antheren. Die Neigung dazu ist erblich.

Was löst männliche Blüten aus?

Belegt sind vier Auslöser. Kälte um 13 °C kurz vor oder während des Umstellens auf Blüte. Ein kurzer Tag schon an jungen Pflanzen. Ein abrupter Wechsel von 18 auf 8 oder 11 Stunden Licht. Und das Sprühmittel Silberthiosulfat, das das Pflanzenhormon Ethylen blockiert. Kälte beim Umstellen ließ in einer anfälligen Linie 71 % der Weibchen männliche Blüten bilden. Bei 21 °C waren es etwa 12 %. Gezielt ausgelöst heißt der Vorgang Geschlechtsumkehr.

  • Rund um das Umstellen deutlich über 13 °C bleiben, auch nachts.
  • Ein Thermometer mit Minimum-Anzeige aufhängen.
  • Den Wechsel auf 12 Stunden wie gewohnt machen. Zu einem gleitenden Übergang fand sich kein Versuch.

Was ist als Auslöser nicht belegt?

Lichtlecks, Rückschnitt, Hitze und UV. In einem Betrieb mit 403 Pflanzen hingen Lichtlecks nicht mit Zwittern zusammen. Allerdings war keins der Lecks hell genug für das Messgerät. Rückschnitt brachte nicht mehr Zwitter als kein Schnitt. Zu Hitze fand sich kein Versuch, und die UV-Versuche zählten männliche Blüten nicht. Nach knapper Wassergabe bildeten sieben Weibchen männliche Blüten, aber ohne Vergleichsgruppe. Ein dichter Raum lohnt trotzdem: Schon sehr schwaches Licht, das den Tag auf 15 Stunden verlängerte, verzögerte bei einer Sorte die Blüte.

  • Bei einem Zwitter zuerst die Nachttemperatur der Umstellwoche prüfen.
  • Dann die Herkunft der Pflanze prüfen.
  • Den Raum bei ausgeschaltetem Licht auf Lichtschein absuchen.
  • Welche anderen Belastungen in der Blüte Gehalt und Ertrag ändern, steht im Artikel über Pflanzenstress.

Wann und wo sucht man nach Antheren?

Ab der vierten Blütewoche. Die meisten männlichen Blüten sitzen unten am Stamm und an den untersten Blüten. Antheren sind kleine Säckchen zwischen den Blättchen der Blüte. Die weißen Härchen der weiblichen Blüte sind dagegen dünn wie Fäden. Zum Abzupfen einzelner Antheren fand sich kein Versuch.

  • Ab Woche vier jede Woche suchen, unten zuerst.
  • Eine Pflanze mit Antheren aus dem Raum nehmen, bevor die Antheren aufgehen.

Was kostet eine Bestäubung?

Viel. Bestäubte Blüten hatten 60 bis 75 % weniger Wirkstoff. Auch ein Teil der Duftstoffe ging verloren. Samen brauchen drei bis vier Wochen bis zur Reife. Antheren, die erst in den letzten zwei Wochen aufgehen, erzeugen deshalb rechnerisch kaum reife Samen. Wie viel Wirkstoff so eine späte Bestäubung kostet, ist nicht gemessen.

  • Die Pflanze auch kurz vor der Ernte herausnehmen. Offener Pollen erreicht die Nachbarn.
  • Je früher man sucht, desto kleiner der Schaden.

Woher kommt die Neigung, und was ändert feminisiertes Saatgut?

Die Neigung wird vererbt, bei regulärem wie bei feminisiertem Saatgut. Feminisiertes Saatgut soll nur Weibchen ergeben. Töchter von Zwittern bildeten häufiger selbst männliche Blüten, 34 statt 23 % in einem Versuch. Für feminisierte Samen macht man ein Weibchen mit Silberthiosulfat zur Pollenspenderin. Das Mittel wirkt unabhängig davon, wie anfällig sie ist. Die Behandlung verrät also nichts über ihre Neigung.

  • Mutter und Pollenspenderin vorher unbehandelt bis zur Reife blühen lassen.
  • Jede Pflanze mit männlichen Blüten aussortieren.
  • Den Prüfablauf beschreibt der Artikel zum Stresstest.

Quellen