Kationenaustauschkapazität: wie ein Substrat Nährstoffe festhält und wieder abgibt
Die Kationenaustauschkapazität, kurz CEC, beschreibt, wie viele Nährstoffteilchen ein Substrat an seiner Oberfläche festhalten und gegen andere tauschen kann. Gemeint sind positiv geladene Teilchen wie Calcium, Magnesium, Kalium und Natrium. Ein Substrat mit hoher CEC verändert die Nährlösung, die man hineingießt: es nimmt manche Nährstoffe auf und gibt andere ab. Ein Substrat ohne CEC lässt sie, wie sie ist.
Was das im Topf bedeutet
Steinwolle hat praktisch keine CEC. Was in der Gießlösung steht, kommt an der Wurzel an oder läuft ab, und man steuert die Pflanze direkt über die Lösung. Torf und Kokos binden dagegen Nährstoffe. In ihnen kann die Lösung an der Wurzel anders aussehen als die, die man angesetzt hat.
Wie viel CEC Kokos hat
Wie viel CEC Kokos genau hat, ist strittig; die oft genannten 10 bis 30 meq je 100 g sagen nicht, ob sie sich auf Gewicht oder Volumen beziehen, und an gewaschenem Kokos wurden 103,3 cmol/kg gemessen, ohne dass sich beide Zahlen direkt vergleichen lassen. Für die Praxis reicht: Kokos verändert die Nährlösung, und was es abgibt, hängt an Herkunft, Waschen und Vorbehandlung. Deshalb misst man in Kokos das Sickerwasser und nicht nur die Gießlösung.
Warum Kokos gepuffert wird
Ungewaschenes Kokos kann viel Kalium und Natrium auf seinen Plätzen tragen. Trifft eine Nährlösung mit Calcium und Magnesium darauf, holt sich das Kokos diese beiden und gibt Kalium und Natrium ab. An der Pflanze kann das wie Calciummangel aussehen, obwohl genug im Dünger ist. Puffern heißt, diesen Tausch vorher geschehen zu lassen: Man weicht das Kokos in einer Calciumnitrat-Lösung ein und spült es danach; im Versuch waren das bis zu 150 g Calciumnitrat auf 1,5 kg Kokos in 15 Litern Wasser, 12 bis 72 Stunden lang. Das gebundene Calcium stieg dadurch auf das Sechzehnfache. Gegen hohe Natriumwerte raten die Autoren einer Messung an Kokos zu gründlichem Waschen.
Was man daraus macht
Wer in Kokos mit weichem Wasser gießt, also Osmose- oder Regenwasser, verschärft das Problem, weil das Wasser selbst kein Calcium und Magnesium mitbringt. Dann mischt man Leitungswasser bei. Ein reines Calcium-Magnesium-Präparat hält der Forschungsbericht eines Düngerherstellers für weniger wirksam, weil es den pH nicht puffert. Wächst Cannabis in Kokos schwächer als in Torf, liegt das nicht zwingend an der CEC; in einem Vergleich sahen die Autoren die Ursache im Wasserhaushalt des Kokos.
Quellen
- Monsalve Camacho, Luque Sanabria und Sánchez Rodríguez 2026, Nährstoffchemie in Mischsubstraten aus Kokos und Mineralen, Advances in Horticultural Science
- Gbollie, Mwonga und Kibe 2021, Calciumnitrat-Menge und Einweichdauer bei Kokossubstrat, Journal of Agricultural Chemistry and Environment
- van der Lugt (Hrsg.) 2016, Nährlösungen für Gewächshauskulturen, Eurofins Agro und Wageningen University & Research
- Malík und Tlustoš 2025, Erdlose Medien für den Cannabis-Anbau, Agriculture
- Burgel, Hartung und Graeff-Hönninger 2020, Wachstum, Ertrag und Cannabinoide zweier Cannabis-Sorten in verschiedenen Substraten, Horticulturae
- CANNA Research 2015, Problemlösung in Kokos
- HortGrow Solutions 2025, Kokos als Substrat mit mittlerer Kationenaustauschkapazität