Wassergehalt von Saatgut: Bezug, Messung und Sollgewicht

Der Wassergehalt eines Samens ist der Anteil Wasser an seinem Gewicht, so wie er gerade auf der Waage liegt. Die Größe stammt aus der Saatgutprüfung, die sie nach festen Regeln bestimmt und in Prozent angibt. Für den Grower entscheidet sie, wie lange eingelagerte Samen keimfähig bleiben, denn feuchte Samen altern schneller als trockene. Eine Prozentzahl taugt aber nur dann als Ziel, wenn klar ist, worauf sie sich bezieht und wie sie gemessen wurde. Wer den Wert einer Partie einmal bestimmt hat, trocknet danach allein mit der Waage auf jeden Zielwert.

Worauf bezieht sich die Prozentzahl?

Saatgutbanken beziehen den Wassergehalt auf das Frischgewicht, also auf den Samen samt seinem Wasser. 100 g Saatgut mit 8 % Wassergehalt bestehen dann aus 8 g Wasser und 92 g Trockenmasse, dem Gewicht ohne Wasser. In der Trocknungstechnik wird dagegen oft auf die Trockenmasse bezogen, und derselbe Samen trägt dann eine höhere Zahl. Aus 8 % auf das Frischgewicht werden so 8,7 % auf die Trockenmasse.

In diesem Lexikon gilt immer das Frischgewicht, wie in der Saatgutprüfung üblich. Auch Hanf-Messreihen geben ihre Werte teils auf die Trockenmasse an, und ohne Umrechnung wirken solche Samen feuchter, als sie sind.

  • Einen Wert auf Trockenmasse in das Frischgewicht umrechnen: Wert ÷ (100 + Wert) × 100, aus 6 % auf Trockenmasse werden so 5,7 %.

Wie wird der Wassergehalt im Trockenschrank bestimmt?

Bestimmt wird er mit der Trockenschrankmethode, bei der eine kleine Probe im Ofen vollständig austrocknet und der Gewichtsverlust das Wasser ist. Für Cannabis sativa gilt dabei das Hochtemperaturverfahren der Saatgutprüfung, mit ungemahlenen Samen. Die Probe bleibt klein, und der Rest der Partie kommt nie in den Ofen.

Ölsaaten wie Lein werden sonst bei 103 °C geprüft, weil große Hitze bei ölreichen Samen flüchtige Stoffe austreibt. Cannabis führen sie trotz seines Ölgehalts beim Hochtemperaturverfahren, und wie weit 103 °C und 130 °C an Hanf auseinanderliegen, ist nicht gemessen. In mehreren Hanf-Messreihen wurde abweichend bei 130 °C über drei Stunden oder bei 103 °C über fünf oder 17 Stunden getrocknet. Werte aus verschiedenen Messreihen können deshalb um einen unbekannten Betrag gegeneinander verschoben sein.

  1. Zwei getrennte Proben von je 0,5–1,0 g oder mindestens zehn Samen abwiegen.
  2. Beide ungemahlen eine Stunde bei 130–133 °C trocknen.
  3. Die Proben 45 Minuten in einem Exsikkator abkühlen lassen, einem dicht schließenden Gefäß mit Trockenmittel, und wiegen.
  4. Wassergehalt = Gewichtsverlust ÷ Frischgewicht der Probe × 100.
  5. Beide Proben dürfen um höchstens 0,2 Prozentpunkte voneinander abweichen.

Wie trockne ich ohne neue Messung auf einen Zielwert?

Ist der Ausgangswert bestimmt, führt ein Sollgewicht die Trocknung, und von da an wird nur noch gewogen. Es ergibt sich aus dieser Formel: Sollgewicht = Anfangsgewicht × (100 − Anfangsfeuchte) ÷ (100 − Zielfeuchte).

Ein Beispiel: 20 g Saatgut mit 9 % Wassergehalt sollen auf 6 % kommen. Rechnerisch sind sie bei 19,36 g am Ziel und verlieren dafür 0,64 g. Das sind 3,2 % des Ausgangsgewichts, und eine Küchenwaage mit 1 g Auflösung bildet diesen Weg nicht ab. Nötig ist eine Waage mit 0,01 g Auflösung. Mit derselben Rechnung sind auch die Feuchtestufen eines Lagerversuchs an Hanf eingestellt worden.

Die Rechnung hängt ganz am Ausgangswert, denn ohne ihn wiegt man genau gegen einen unbekannten Sollwert. Zielbereich, Rechner und das Kriterium für ein stehendes Gewicht stehen im Artikel über das Trocknen von Saatgut.

  1. Vor der Feintrocknung eine Probe im Trockenschrank messen oder die Partie ins Gleichgewicht bringen und über die Luftfeuchte schätzen.
  2. Die ganze Partie wiegen und das Sollgewicht ausrechnen.
  3. Bei jeder Wägung vergleichen: erreicht die Partie das Sollgewicht, ist sie am Ziel.

Was zeigen Schnellmessgeräte und Hygrometer?

Schnellmessgeräte zeigen einen Wassergehalt in Sekunden, müssen aber für jede Art gegen die Trockenschrankmethode abgeglichen werden. Zwischen 6 % und 25 % Wassergehalt arbeiten sie zuverlässiger als darunter, und der Zielbereich der Lagerung reicht bis 5 % hinunter.

Ohne eine Probe zu opfern, geht es mit einem Hygrometer, einem kleinen Messgerät für die Luftfeuchte. Im dicht verschlossenen Glas zeigt es die Luftfeuchte, mit der die Samen im Gleichgewicht stehen und kein Wasser mehr abgeben. Was dieses Gleichgewicht ausmacht, erklärt der Artikel über die Gleichgewichtsfeuchte. Wie man das Messglas ansetzt und die Anzeige übersetzt, steht im Artikel über das Trocknen von Saatgut.

  • Im Zielbereich von 5–7 % ein Hygrometer im Messglas statt eines Schnellmessgeräts nutzen.

Quellen