Eisen (Fe) bei Cannabis – Mangel und Bedarf

Die jüngsten Blätter werden hellgelb, ihre Adern bleiben grün, und unten ist die Pflanze dunkelgrün. So sieht ein Eisenmangel aus. Eisen ist ein Spurennährstoff, also einer, den die Pflanze nur in kleinen Mengen braucht. Blattgrün enthält kein Eisen, braucht es aber für seine Herstellung. Eine Prüfliste der NC State University sucht die Ursache zuerst bei der Aufnahme. pH-Wert und Wurzelraum kommen dort vor der Eisengabe.

Woran erkenne ich Eisenmangel?

Eisenmangel zeigt sich an den jüngsten Blättern als Gelb zwischen grünen Adern. Es beginnt am Blattansatz und geht von Hellgrün über Hellgelb bis fast Weiß. Untere und mittlere Blätter bleiben tiefgrün. Braune Flecken kommen erst nach langem Mangel.

In der Blüte war Eisenmangel kaum zu sehen. Ohne Eisen wurden die Sugar Leaves und die Blüten blasser. Die Teilblattmitte hellte sich zeitweise auf, und spät bräunten die Ränder unterer Fächerblätter. Sugar Leaves sind die kleinen Blätter in den Blütenständen. Die Blütenmasse sank nicht, und die Forscher halten für möglich, dass die Vorräte aus dem Wachstum reichten.

  • Alle Stadien mit ihren Verwechslungen beschreibt der Artikel zu Nährstoffmangel und Überdosierung.
  • Im Wachstum oben nachsehen: Eisenmangel trifft den Neuaustrieb, Magnesiummangel die unteren Blätter.
  • Manganmangel ausschließen. An Geranien bildet er ein feines grünes Adernetz, Eisenmangel breitere gelbe Bänder.
  • Zu viel Ammonium ausschließen. An Cannabis kräuselt es die Blätter an den Triebspitzen und lässt ihre Ränder absterben.
  • Mehrere Pflanzen vergleichen. Wurzelfäule trifft meist einzelne Pflanzen, ein pH-Problem viele zugleich.

Warum fehlt Eisen, obwohl ich dünge?

Die Prüfliste beginnt mit einem zu hohen pH-Wert und mit Wurzeln, die nicht arbeiten. Der pH-Wert sagt, wie sauer eine Lösung ist. In erdlosen Substraten beobachtete die NC-State-Gruppe Eisenmangel oberhalb von etwa pH 6,5. In ihren Vorversuchen zeigte Cannabis bei pH 7,0 aber noch keine Vergilbung junger Blätter, erst bei 7,8, die Schwelle ist also unscharf.

Gießwasser mit mehr als 120 ppm Hydrogencarbonat treibt den pH nach oben. Nasse, kalte oder kranke Wurzeln nehmen kaum Eisen auf, und dauernasses Substrat löste in Gewächshausversuchen Eisenmangel trotz Düngung aus. Zu viel Mangan, Zink oder Kupfer verdrängt Eisen, und an Cannabis senkte zu viel Zink das Eisen im Spross.

  1. Den pH-Wert im Substrat messen. Für Cannabis empfehlen Pflanzenernährer 5,8 bis 6,2.
  2. Das Hydrogencarbonat in der Wasseranalyse prüfen. Es ist der Anteil im Wasser, der Säure abfängt.
  3. Die Wurzelraumtemperatur prüfen. An Zierpflanzen gilt ein Wurzelraum unter 13 °C als Ursache.
  4. Gießabstände prüfen und Staunässe beheben. Die Wurzeln auf braune, matschige Stellen ansehen.
  5. Phosphor im Dünger prüfen. An Zierpflanzen beginnen Eisenprobleme ab etwa 30 ppm Phosphor, bei empfindlichen Arten ab 15 ppm. An Cannabis trat bei 75 mg/L Phosphor kein Eisenmangel auf.
  6. Erst nach all dem mehr Eisen geben.

Welches Eisenchelat brauche ich?

Das hängt am pH-Wert im Wurzelraum. Ein Chelat ist ein Molekül, das Eisen umschließt und in Lösung hält. Ungebundenes Eisen fällt oberhalb von etwa pH 6 aus und ist dann für die Wurzel verloren.

Eisen-EDTA passt nach einem Merkblatt zu pH 5,8 bis 6,2, Eisen-DTPA zu 6,3 bis 6,8 und Eisen-EDDHA ab 6,8. Nach einem Gewächshaus-Handbuch bleibt Eisen-DTPA bis pH 7 stabil und Eisen-EDDHA bis pH 9. Chelate senken den pH nicht. Was ein Chelat genau ist, erklärt der Artikel über Chelate.

  • Das Chelat nach dem pH im Wurzelraum wählen.
  • Mangan-, Zink- und Kupfersulfat nicht mit Eisenchelat im selben Konzentrat ansetzen. Sie verdrängen je nach pH 20 bis 50 % des Eisens aus dem Chelat.
  • Konzentrate dunkel lagern. Manche Chelate zerfallen unter UV-Licht.
  • Gelbe Blätter werden meist nicht wieder grün. Ob die Gabe wirkt, zeigt der neue Austrieb.

Wie viel Eisen braucht Cannabis?

Wenig: Für die Blüte nennt die NC-State-Gruppe 3 bis 3,5 ppm Eisen in der Gießlösung. In Gießlösung entspricht 1 ppm einem Milligramm je Liter. Ein Versuch mit abgestuften Eisengaben an Cannabis fand sich nicht.

Bei 6119 Hanfproben lag die mittlere Hälfte der Blattwerte bei 70 bis 150 mg Eisen je Kilogramm Trockenmasse. Ohne Eisen in der Lösung zeigte eine Sorte im Wachstum erst nach neun Wochen Zeichen. Im Blatt waren es dann 60 mg/kg.

  • In der Blüte Eisen nach dem Richtwert von 3 bis 3,5 mg/L dosieren.
  • Eine Blattprobe im Labor gegen 70 bis 150 mg/kg halten, zusammen mit einer Analyse von Substrat oder Lösung.
  • Bei Verdacht auf zu viel Eisen auch die unteren Blätter beproben.

Was passiert bei zu viel Eisen?

Zu viel Eisen ist vor allem eine Folge von zu tiefem pH-Wert. Unter pH 5 kann Cannabis nach der NC-State-Gruppe zu viel Eisen und Mangan aufnehmen. Die unteren Blätter färben sich dann von der Spitze her bronzefarben.

In einem Versuch mit Torf und Perlite reagierte Cannabis auf sehr tiefen pH aber vor allem mit schwächerem Wuchs. Bei pH 3 wog der Spross 23,9 g, bei pH 5 bis 7 waren es 36,6 bis 39,2 g. Bronzefärbung trat nur bei vierfacher Spurennährstoffgabe und pH 3,8 auf, und nur bei einer von zwei Sorten.

  1. Den pH-Wert im Substrat messen und über 5,5 halten.
  2. Bei zu tiefem pH mit Kalk anheben oder mit Calciumnitrat düngen.
  3. Eine Zeit lang mit klarem Wasser gießen.
  4. Geschädigte Blätter erholen sich nicht. Was sich im Blatt angereichert hat, lässt sich nicht herausholen.

Quellen