Nährstoffprobleme nach Anbaumedium prüfen – was man in Erde, Kokos, Steinwolle und Hydrokultur misst
Bevor man auf ein gelbes oder fleckiges Blatt mit mehr Dünger antwortet, prüft man, was an der Wurzel ankommt. Diese Nährstoffdiagnose nach Anbaumedium braucht nur zwei Messgeräte, eines für den pH-Wert und eines für den Leitwert. Man misst die Lösung, die man gießt, und die Lösung, die an den Wurzeln steht, die Wurzelraumlösung. Wo man an diese zweite Probe kommt, hängt am Medium: in Erde und Kokos ist es das Wasser, das unten aus dem Topf läuft, in Steinwolle der Ablauf der Matte, in Hydrokultur der Tank.
Zwei Messungen, die jeder machen kann
Der pH-Wert sagt, wie sauer die Lösung ist. Liegt er falsch, kann die Wurzel Nährstoffe nicht aufnehmen, die vorhanden sind. Der Leitwert, kurz EC, sagt, wie viel Düngesalz gelöst ist, aber nicht, welches. Beide misst man zweimal: in der Gießlösung und in der Probe aus dem Wurzelraum.
Wichtiger als der einzelne Wert ist der Verlauf. Man misst immer auf dieselbe Weise, schreibt die Werte auf und vergleicht sie über die Wochen. Steigt der Leitwert im Wurzelraum von Messung zu Messung, sammelt sich Salz im Topf. Fällt der pH dort immer weiter, kippt die Lösung ins Saure.
Für den pH an der Wurzel gelten je nach Medium diese Bereiche:
| Medium | Wo man die Probe nimmt | pH an der Wurzel |
|---|---|---|
| Torf und Blumenerde auf Torfbasis | Sickerwasser unten aus dem Topf | 5,5 bis 6,5, nicht unter 5,0 |
| Kokos | Sickerwasser oder Ablauf | 5,4 bis 6,2 |
| Steinwolle | Ablauf der Matte | 5,5 bis 6,5, Gießlösung etwas darunter |
| Hydrokultur | Tank | 5,5 bis 6,5 |
| Gartenboden | Bodenprobe | 6,0 bis 7,5 |
Nur der Wert für Torf stammt aus einem Versuch mit Cannabis, in Torf mit Perlit. Der Wert für Kokos ist der allgemeine Bereich für erdlose Substrate, die übrigen stammen aus dem Gartenbau unter Glas; sie sind ein Ausgangspunkt. Für den Leitwert sind für Cannabis keine Zielwerte belegt. Als grober Rahmen dient ein Merkblatt für Zierpflanzen: im Sickerwasser nach PourThru gelten dort 2,7 bis 4,6 mS/cm als normal.
Torf und Blumenerde im Topf
Die Probe gewinnt man mit dem PourThru: normal gießen, eine halbe bis eine Stunde warten, dann etwas destilliertes Wasser oben aufgießen und das auffangen, was unten herausläuft. Bei einem Topf mit knapp 4 Litern sind das etwa 150 ml, eine knappe Tasse; heraus kommen sollen etwa 50 ml, genug, dass die Messsonde eintaucht. Die Pflanze bleibt dabei im Topf. Bei etwa 11 Litern sind es 350 ml. Für größere Töpfe nennt das Merkblatt keine Menge; man legt sich auf eine fest und bleibt dabei, sonst sind die Werte nicht vergleichbar.
Fällt der pH unter 5,0, wächst Cannabis deutlich schlechter; in einem Versuch mit vier Hanfsorten fehlten bei pH 3 fast zwei Fünftel der Pflanzenmasse. Wer den pH mit Kalk anhebt, gibt damit zugleich Calcium. Liegt der Leitwert unter dem Rahmen von 2,7 mS/cm, spricht das für zu wenig Dünger. Liegt er darüber und steigt weiter, sammelt sich Salz, und die Pflanze nimmt weniger Wasser auf; dann lässt man mehr Wasser durchlaufen oder spült mit klarem Wasser.
Kokos
Gemessen wird wie bei Erde, mit dem PourThru oder am Ablauf. Der Unterschied liegt im Material: Kokos hält Nährstoffe an seiner Faser fest und tauscht sie gegen andere. Ungewaschenes, ungepuffertes Kokos kann viel Kalium und Natrium tragen und nimmt dafür Calcium und Magnesium aus der Nährlösung auf. An der Pflanze kann das als Calciummangel sichtbar werden, obwohl genug im Dünger ist.
Dagegen hilft Puffern: man weicht das Kokos vor dem Gebrauch in einer Calciumnitrat-Lösung ein und spült es danach. Im Versuch waren das bis zu 150 g Calciumnitrat auf 1,5 kg Kokos in 15 Litern Wasser, 12 bis 72 Stunden lang. In einem Versuch stieg das gebundene Calcium dadurch auf das Sechzehnfache, und Kalium fiel auf gut ein Drittel. Weiches Wasser verschärft das Problem: Osmose- oder Regenwasser bringt selbst kein Calcium und Magnesium mit, und das Kokos holt sie sich aus dem Dünger. Dann mischt man Leitungswasser bei. In einem Vergleich wuchs Cannabis in Kokos schwächer als in Torf, und die Autoren sahen die Ursache im Wasser: Kokos hält viel Luft und wenig leicht verfügbares Wasser. Sie raten, die Gießroutine eigens auf das Kokos abzustimmen, statt sie aus der Erde zu übernehmen.
Steinwolle
Steinwolle hält praktisch keine Nährstoffe fest. Was in der Gießlösung steht, kommt an der Wurzel an oder läuft ab. Man misst deshalb täglich pH und Leitwert am Tropfer und im Ablauf. Die Gießlösung setzt das Gewächshaus-Handbuch für die meisten Kulturen etwas unter dem Ziel an, um pH 5,3, damit sich im Wurzelraum 5,5 bis 6,5 einstellen. Neue Steinwolle bringt einen pH um 7,5 mit. Für die Vorbehandlung bei Cannabis liegen keine Messwerte vor; der Ablauf zeigt, ob der pH im Zielbereich ankommt.
Den pH im Wurzelraum steuert das Handbuch über das Ammonium in der Gießlösung, eine der beiden Stickstoffformen: fällt der pH zu tief, gibt man weniger Ammonium, steigt er zu hoch, etwas mehr, insgesamt höchstens 5 bis 15 % des Stickstoffs. Zeigt eine Laboranalyse des Ablaufs, dass ein Nährstoff vom Ziel abweicht, ändert man die Gießlösung in kleinen Schritten, bei einer Abweichung um ein Viertel um 10 bis 15 %. Wird das Ablaufwasser aufgefangen und wieder verwendet, reichert sich Natrium an; dafür taugt nur Gießwasser mit weniger als 1,5 mmol/l Natrium, rechnerisch 34,5 mg/l, was man an der Wasseranalyse des Versorgers abliest.
Hydrokultur
In der Hydrokultur ist der Tank die Lösung an der Wurzel, man misst also direkt dort. Füllt man verbrauchte Lösung nur mit Wasser auf, reichern sich die Stoffe an, die die Pflanze langsamer aufnimmt, etwa Calcium, Bor, Kupfer und Schwefel. In einem Cannabis-Versuch konnten die Gehalte so zwischen zwei Wechseln bis auf das Doppelte des Ansatzes steigen. Deshalb tauscht man die Lösung regelmäßig ganz aus, statt nur nachzufüllen.
Steigt der pH im Tank über 6, fallen Eisen, Mangan, Zink und Kupfer aus der Lösung aus, wenn sie nicht als Chelat gegeben werden, also an ein Molekül gebunden, das sie gelöst hält. Eisen-DTPA hält bis etwa pH 6,5 sicher. Wer höher fährt, nimmt EDDHA.
Wenn die Messung nichts erklärt
Stimmen pH und Leitwert und zeigt die Pflanze trotzdem ein Problem, kann die Ursache außerhalb des Wurzelraums liegen. Gegen Ende der Blüte vergilben die unteren Blätter auch bei voller Versorgung, weil die Pflanze sie abbaut. Wer dann nachdüngt, ändert nichts mehr. Woran man die einzelnen Mangelbilder unterscheidet, beschreibt der Artikel zum Nährstoffmangel. Bleibt die Ursache offen, ist eine Blattanalyse im Labor der nächste Schritt. Sie zeigt, was die Pflanze tatsächlich aufgenommen hat.
Quellen
- Camberato, Lopez und Mickelbart 2009, pH- und Leitwertmessung in erdlosen Substraten, Purdue Extension HO-237-W
- van der Lugt (Hrsg.) 2016, Nährlösungen für Gewächshauskulturen, Eurofins Agro und Wageningen University & Research
- Veazie und Kollegen 2025, Substrat-pH und Spurennährstoffgabe bei Cannabis sativa, Agrosystems, Geosciences & Environment
- Gbollie, Mwonga und Kibe 2021, Calciumnitrat-Menge und Einweichdauer bei Kokossubstrat, Journal of Agricultural Chemistry and Environment
- Burgel, Hartung und Graeff-Hönninger 2020, Wachstum, Ertrag und Cannabinoide zweier Cannabis-Sorten in verschiedenen Substraten, Horticulturae
- CANNA Research 2015, Problemlösung in Kokos
- Malík und Tlustoš 2025, Erdlose Medien für den Cannabis-Anbau, Agriculture
- Llewellyn, Golem, Jones und Zheng 2023, Mangel an einzelnen Elementen in Wasserkultur, Plants
- Hershkowitz, Westmoreland und Bugbee 2025, Phosphor und Leitfähigkeit in Wasserkultur, Frontiers in Plant Science