Nährstoffe bei Cannabis – Aufgabe, Mangelbild, Überdosierung, Gegenspieler und pH je Element
Cannabis braucht wie jede höhere Pflanze vierzehn mineralische Nährstoffe, dazu Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff aus Luft und Wasser. Diese Pflanzennährstoffe sind Chemie und keine Besonderheit von Cannabis: Calcium baut bei Hanf dieselbe Zellwand wie bei Tomaten, und Eisen fällt bei hohem pH aus der Nährlösung aus. Die Tafel zeigt für jeden Nährstoff, was er tut, wo und wie sein Mangel beginnt, was zu viel anrichtet, was ihn blockiert und was man als Erstes tut. Die Abschnitte darunter erklären die Zusammenhänge, die man für die Diagnose braucht.
Die vierzehn Nährstoffe auf einen Blick
Sechs davon braucht die Pflanze in großen Mengen, die Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium und Schwefel. Acht braucht sie nur in Spuren, die Spurennährstoffe Eisen, Mangan, Zink, Kupfer, Bor, Molybdän, Chlor und Nickel. Ein gut versorgtes Blatt enthält rund 15 000 mg Stickstoff je Kilogramm Trockenmasse, aber nur 0,1 mg Molybdän, und trotzdem fehlt der Pflanze ohne das Molybdän etwas.
Nährstofftafel
Ein Klick auf den Namen oder auf „Blattbild“ führt zur ausführlichen Beschreibung im Artikel zu Mangel und Überdosierung.
| Nährstoff | Aufgabe | Mangel: so verläuft er | Zu viel | Blockiert durch | Erste Hilfe |
|---|---|---|---|---|---|
| Hauptnährstoffe | |||||
| Stickstoff | Baustein von Eiweiß und Blattgrün | beginnt unten
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| Ein- bis zweimal 300–400 ppm N aus Volldünger mit 10 % Durchlauf; Ammonium höchstens 30 % |
| Phosphor | Energieträger der Zelle, Wurzeln und Blüten | beginnt unten
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| Phosphor anheben; Versuche: 15 ppm Dauergabe, 30 mg/L für 80 % des Höchstertrags |
| Kalium | Wasserhaushalt, Spaltöffnungen, Zuckertransport | beginnt unten
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| Leitwert messen (Salzbrand sieht ähnlich aus), dann Kalium anheben; Richtwert 60–120 ppm, K : Ca : Mg 4 : 2 : 1 |
| Calcium | Festigkeit von Zellwand und Membran | beginnt oben
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| Klima, Wasser und Gegenspieler prüfen, Blattprobe; Calciumnitrat, Luftbewegung, Kokos puffern |
| Magnesium | Zentrum des Blattgrüns | beginnt unten
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| Bittersalz 2,4 kg je 1000 L mit 5–10 % Durchlauf, nicht mit Calciumdünger mischen; Richtwert 50–75 ppm |
| Schwefel | Eiweißbausteine | beginnt in der Mitte
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| Leitwert prüfen (normal: eher Schwefel als Stickstoff); Bittersalz 2,4 kg je 1000 L; Ziel 50–200 ppm S |
| Spurennährstoffe | |||||
| Eisen | Blattgrün und Photosynthese | beginnt oben
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| pH auf 5,8–6,2 senken; Chelat nach pH (EDTA, DTPA, ab 6,8 EDDHA); abtrocknen lassen |
| Mangan | Wasserspaltung der Photosynthese | beginnt oben
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| pH prüfen, dann Manganchelat; unter pH 5,5 keine Mangangabe (Vergiftung) |
| Zink | Enzyme, Wachstumshormon für die Triebstreckung | beginnt oben
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| Phosphor prüfen, dann Zink; Richtwert 0,05–0,35 ppm |
| Kupfer | Photosynthese, Atmung, Verholzung | beginnt oben
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| pH und Zink prüfen, dann Kupfer; Richtwert 0,1–0,18 ppm |
| Bor | Vernetzung der Zellwand, Streckung, Blüten | beginnt oben
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| Erst Blattprobe, dann Bor; Richtwert 0,875–1,0 ppm, enger Bereich |
| Molybdän | Verwertung von Nitrat | beginnt unten
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| pH über 5,5 halten; Richtwert 0,075–0,1 ppm |
| Chlor | Wasserdruck der Zellen, Photosynthese | beginnt oben
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| Gießwasser auf Chlorid und Natrium prüfen, bei Überschuss durchspülen |
| Nickel | Spaltung von Harnstoff |
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| nicht beschrieben | |
Die Tafel zeigt je Nährstoff den Verlauf vom ersten Zeichen bis zum späten Stadium und die Besonderheiten der Blüte. Jedes Bild mit allen Einzelheiten, Verwechslungen und Mengenangaben steht im Artikel zu Nährstoffmangel und Überdosierung.
Unten, oben oder in der Mitte
Die Stelle an der Pflanze ist der erste Hinweis. Ein mobiler Nährstoff ist einer, den die Pflanze aus alten Blättern abziehen und in den Neuaustrieb schicken kann. Fehlt er, plündert sie die unteren Blätter, und dort zeigt sich der Mangel zuerst: so bei Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium. Ein immobiler Nährstoff bleibt, wo er eingebaut ist; fehlt er, leiden Triebspitzen und junge Blätter, während unten alles grün bleibt: so bei Calcium, Eisen, Zink, Kupfer und Bor, bei Mangan an oberen und mittleren Blättern. Schwefelmangel beginnt in der Pflanzenmitte.
In der Blüte gilt die Regel nicht immer. In einem Blüteversuch begann Calciummangel an den unteren großen Blättern und Schwefelmangel an den kleinen Blättern in den Blüten, Eisen- und Manganmangel waren kaum oder gar nicht zu sehen. Und gegen Ende der Blüte zieht die Pflanze ohnehin Nährstoffe aus den alten Blättern ab; deren Vergilbung von unten nach oben ist dann Alterung und kein Mangel.
Wenn ein Nährstoff den anderen verdrängt
Was im Anbau Lockout heißt, ist oft Ionenantagonismus: Ein Nährstoff im Überschuss verdrängt einen anderen bei der Aufnahme. Man sieht dann einen Mangel, obwohl der fehlende Nährstoff im Dünger steckt. Diese Paare sind für die Praxis wichtig:
- Kalium im Überschuss kann Magnesium- oder Calciummangel auslösen. An Cannabis senkte mehr Kalium Calcium und Magnesium in Blättern und Blüten, in der Wurzel auch Zink, Eisen und Mangan; eine von zwei Sorten litt bei 240 mg/L, was die Forscher mit diesem Rückgang erklären.
- Calcium im Überschuss drückt Magnesium. An anderen Pflanzen gilt es auch als Gegenspieler von Bor, und zusammen mit viel Magnesium drückte es an Gewächshausgurken das Kalium.
- Magnesium im Überschuss senkte an Cannabis Calcium, Kalium, Mangan und Zink und bremste das Wachstum.
- Stickstoff über 160 mg/L senkte an Cannabis Calcium, Magnesium, Mangan und Phosphor. Ammonium drückt Calcium und Magnesium.
- Phosphor im Überschuss senkt an Ackerkulturen und Zierpflanzen die Aufnahme von Eisen, Mangan und Zink. An Cannabis ist das nicht entschieden: In einem Versuch sank mit mehr Phosphor nur das Zink in der Wurzel, in einem anderen stieg es im Blatt leicht.
- Zink im Überschuss senkte an Cannabis das Eisen im Spross. An Zierpflanzen lösen auch Mangan und Kupfer im Überschuss Eisenmangel aus, Zink und Kupfer verdrängen sich gegenseitig, und viel Eisen drückt Mangan.
Spürbar am Wachstum wird eine Verdrängung erst, wenn der verdrängte Nährstoff ohnehin knapp ist. Verdächtig ist deshalb vor allem ein Dünger, der einen Nährstoff weit über den Bedarf hinaus liefert, etwa ein hochdosierter Blühdünger mit viel Kalium oder Phosphor.
Wenn der pH blockiert
Der pH-Wert sagt, wie sauer eine Lösung ist, und entscheidet, ob ein Nährstoff gelöst und damit für die Wurzel erreichbar bleibt. Je nach Medium gelten andere Bereiche:
- Erde: etwa 6 bis 7,5. Unter pH 6 werden Phosphor, Kalium und Schwefel knapp, unter 6,5 Calcium; über 7,5 Eisen, Mangan und Bor, über 8 Zink und Kupfer. Molybdän ist die Ausnahme: es wird bei niedrigem pH knapp und über pH 7 besser verfügbar.
- Torf und Kokos: in erdlosen Substraten sind die meisten Nährstoffe zwischen pH 5,4 und 6,2 verfügbar; für Cannabis empfiehlt die NC-State-Gruppe einen Substrat-pH von 5,8 bis 6,2.
- Steinwolle und Hydrokultur: 5,5 bis 6,5 im Wurzelraum. In der Nährlösung fallen Eisen, Mangan, Zink und Kupfer oberhalb von etwa pH 6 aus, wenn sie nicht als Chelat gegeben werden, also an ein Molekül gebunden, das sie in Lösung hält.
Zu tief ist ebenso schädlich. Geranien nehmen unter pH 5,8 zu viel Eisen und Mangan auf; an den unteren Blättern erscheinen gelbe, dann braune Flecken und Ränder. An Cannabis warnt die NC-State-Gruppe, dass unter pH 5 zu viel Eisen und Mangan aufgenommen werden kann; die unteren Blätter färben sich dann von der Spitze her bronzefarben. Wer den pH mit Kalk anhebt, gibt zugleich Calcium. Phosphormangel säuert den Wurzelraum selbst an, und ungepuffertes Kokos bindet Calcium und Magnesium aus der Nährlösung.
Wenn zu viel gegeben wurde
Ein Zuviel zeigt sich an Cannabis seltener als eigenes Bild als ein Mangel. Belegt sind dunkelgrüne, kleinere Pflanzen bei viel Stickstoff, bei sehr hoher Düngung auch glänzende, nach unten gekrümmte Blätter, die Grower „Kralle“ nennen; gekräuselte Triebspitzen mit braunem Rand bei zu viel Ammonium; tote Flecken an alten Blättern im Wachstum und Spitzenbrand in der Blüte bei zu viel Magnesium; abgestorbene Blattspitzen bei zu viel Zink; gelbe, dann braune Ränder der unteren Blätter bei zu viel Bor oder Mangan. Häufiger sieht man den Mangel des verdrängten Nährstoffs. Alle Salze zusammen misst der Leitwert: Steigt er zu hoch, bekommt die Wurzel schlechter Wasser, junge Blätter krümmen sich nach unten und wölben sich, die Ränder der jungen und der unteren Blätter werden braun und später spröde. Wie man Blockaden erkennt und behebt, beschreibt der Artikel zu Nährstoffmangel und Überdosierung.
So geht man vor
- Hinschauen: Wo sitzt das Bild, unten, oben oder in der Mitte? Welches Muster zeigt das Blatt? Sind mehrere Pflanzen gleich betroffen?
- Messen: pH und Leitwert an der Wurzel, also im Sickerwasser, im Ablauf oder im Tank. Wurzeln anschauen.
- Den Dünger prüfen: Liefert er einen Nährstoff im Übermaß, der den fehlenden verdrängt?
- Erst dann vom fehlenden Nährstoff mehr geben, in kleinen Schritten, und den Neuaustrieb beobachten.
Wie man je Anbaumedium misst, steht im Artikel zur Nährstoffdiagnose nach Anbaumedium.
Quellen
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- Ontario Ministry of Agriculture, Food and Rural Affairs 2023, Bestimmungshilfe für Nährstoffmangel bei Hanf
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- Llewellyn, Golem, Jones und Zheng 2023, Mangel an einzelnen Elementen in Wasserkultur, Plants
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- Saloner und Bernstein 2020, Stickstoffversorgung im Langtag, Frontiers in Plant Science
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- Shiponi und Bernstein 2021, Phosphor in der Blüte, Frontiers in Plant Science
- de Bont, Donnay, Couturier und Rouhier 2022, Schwefelaufnahme und schwefelhaltige Aminosäuren in Pflanzen, Frontiers in Plant Science
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- Veazie, Cöckson und Whipker 2025, Eisenmangel bei Cannabis vorbeugen, Cannabis Business Times
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