Düngung, Topfgröße und Blühbeginn bei Cannabis

Zwei Pflanzen derselben Sorte werden nur anders gefüttert, und die Frage ist, ob die satt gedüngte später blüht. Ein Anbaubetrieb beschreibt bei stickstoffbetonter Ernährung einen Blühbeginn, der sich um bis zu mehrere Wochen verschiebt. An Cannabis gemessen ist diese Verzögerung bisher nicht. Gemessen ist dagegen die Gegenrichtung: Ohne Stickstoffdüngung erreichte Hanf im Freiland die volle Blüte später.

Verzögert zu viel Stickstoff die Blüte?

An Cannabis ist das nicht gemessen, an einer Modellpflanze schon. Stickstoff ist ein Hauptnährstoff, den die Pflanze in großen Mengen braucht, und Wurzeln nehmen ihn in zwei Formen auf, darunter Nitrat. Bei der Ackerschmalwand, botanisch Arabidopsis, folgt die Blühzeit dem Nitrat in einer U-förmigen Kurve: Ein mittleres Angebot blüht am frühesten, mehr und weniger verzögern beide. Die Verzögerung durch Überschuss ist in der Pflanzenforschung seit 1913 beschrieben.

Der tiefste Punkt der Kurve lag allerdings je Anzuchtsystem woanders. Die Tabelle nennt Erde, Hydrokultur, also die Anzucht ohne Erde in Wasser mit gelöstem Dünger, und Agar, ein festes Gel, auf dem Laborpflanzen wachsen. Die Mengen stehen dort in Millimol je Liter, einer Mengeneinheit der Chemie.

Für Cannabis liegt nur ein Praxisbericht vor, nach dem der Blühbeginn unter stickstoffbetonter Ernährung bis zu mehrere Wochen später kam. Das Blattgewebe war dabei dunkel und weich, und manche Pflanzen fielen ins Wachstum zurück.

Anzuchtsystem der AckerschmalwandNitratTage bis zur Blüte
Erde4 mmol/L28,6, am frühesten
Erde1 und 10 mmol/Lje rund vier Tage später
Hydrokultur1 mmol/L33,3, am frühesten
Hydrokultur2 mmol/L40,1
Hydrokultur0,1 mmol/L45,1
Agar1 mmol/L21
Agar35 mmol/L31
  • Keinen Nitratwert der Ackerschmalwand auf Cannabis übertragen.
  • Zum Selbstprüfen Stecklinge derselben Mutterpflanze in zwei Düngergruppen teilen, also bewurzelte Ableger derselben Pflanze.
  • Bei beiden Gruppen den ersten Blütenansatz an der Triebspitze mit Datum notieren.
  • Die Stickstoffmenge vor und in der Blüte und den vertretbaren Ammoniumanteil im Artikel zum Stickstoff nachlesen.

Blüht eine hungrige Pflanze früher?

Nein, im Freiland blühte die hungrige Pflanze später. Drei Hanfsorten in Nordnevada erreichten mit 90 kg Stickstoff je Hektar die volle Blüte im Mittel 17 Tage früher als ohne Zusatzdüngung. Je nach Sorte waren es 6, 13 oder 21 Tage. Das widerspricht der Kurve nicht, denn verglichen wurden nur Mangel und ausreichende Gabe, also ihr linker Ast.

Die schwach versorgten Pflanzen zeigten früh einzelne Blüten in den Blattachseln, also im Winkel zwischen Blattstiel und Stängel. An den Triebspitzen blühten sie aber später, und das Aufblühen des Bestands zog sich über 15 Tage. Wer die ersten Achselblüten für den Blühbeginn hält, sieht deshalb die hungernde Pflanze vorn. In einem Topfversuch im Wachstum blieb die Zahl der Blattpaare am Haupttrieb zwischen 30 und 320 mg/L Stickstoff gleich. Stickstoff veränderte also die Größe der Pflanze, ihr Entwicklungstempo aber nicht. Eine kleine Pflanze wirkt trotzdem früher fertig, weil weniger Masse abreifen muss.

  • Den Blühbeginn an der Triebspitze ablesen und einzelne Blüten in den Blattachseln nicht mitzählen.
  • Hungern nicht als Blühtrick einsetzen.
  • Eine kleine Pflanze, die früh fertig wirkt, nicht als früh umgeschaltet werten.

Gilt die Blühkurve auch für Cannabis?

Das ist an Cannabis nicht geprüft, und schon bei der Ackerschmalwand wirkt Nitrat unter kurzen Tagen stärker auf die Blühzeit als unter langen. In einer Arbeit blühte sie bei knappem Nitrat nur unter 12 h und 8 h Licht früher, unter 16 h dagegen nicht. Die geprüften Hanfsorten blühten, sobald der Tag unter eine sortentypische Länge fiel, einige Faser- und Kornsorten aber auch unter 18 h. Die U-Kurve ist außerdem an einer Wasserlinse beschrieben, die ebenfalls bei kurzem Tag blüht. Die Ackerschmalwand selbst blüht dagegen auf lange Tage hin, und eine Prüfung über viele Arten steht aus.

Phosphat ist die Form, in der die Wurzel Phosphor aufnimmt, und bei der Ackerschmalwand wirkt es gegenläufig zum Nitrat. Weniger Nitrat fördert die Blüte, und mehr Phosphat tut das ebenfalls. Viel Nitrat senkt zudem den Phosphatgehalt der Pflanze, Ammonium als zweite Stickstoffform dagegen nicht. Das Gen FLC bremst die Blüte und folgt dem Nitrat, das Gen FT löst sie aus und folgt dem Phosphat. Weniger Nitrat als im Überschuss holt die Blüte so auf zwei Wegen nach vorn.

  • Phosphat nicht als Blühauslöser einplanen, solange dieser Weg bei Cannabis nicht gemessen ist.
  • Die Phosphormenge nach dem Bedarf richten und ihn im Artikel zum Phosphor nachlesen.
  • Den eigenen Blühbeginn jedes Durchgangs mit Datum festhalten, um einen Düngerwechsel daran zu messen.

Holt ein kleiner Topf die Blüte nach vorn?

Für Cannabis ist das nicht gemessen. Die Wurzelraumbeschränkung ist aber ein benanntes Anbauverfahren, bei dem man den Wurzelraum gezielt klein hält. Im chinesischen Weinbau ist es im kommerziellen Einsatz, und beschrieben ist es an fünf weiteren Obst- und Gemüsearten, darunter Apfel und Tomate. Sein erklärter Zweck ist, das Triebwachstum zu bremsen und Blüte und Frucht zu fördern. Bei Weinreben lag der verfügbare Stickstoff im Wurzelraum zur Vollblüte, wenn also die meisten Blüten offen sind, bei 187 statt 859 mg/kg Boden. Zur Reife lag er bei 130 statt 258 mg/kg. Phosphat sank zur Vollblüte schwächer und lag bei 220 statt 402 mg/kg, zur Reife lag es unter Beschränkung sogar höher. Nach früheren Arbeiten derselben Gruppe steigt dabei die Abscisinsäure, ein Hormon, das Pflanzen unter Stress bilden.

Ein kleiner Wurzelraum verschiebt damit das Verhältnis in Richtung Phosphat, und bei der Ackerschmalwand ist das die Richtung früher Blüte. Beide Glieder dieser Kette sind gemessen, aber an zwei verschiedenen Arten. Ein Anbaubetrieb berichtet, dass lang blühende tropische Sorten erst im begrenzten Topf rechtzeitig abreifen und sich darüber Streckung (Stretch) und Abreife steuern lassen. Dahinter kann ein früherer Umschlag in die Blüte stecken oder eine kleinere Pflanze, die schneller fertig ist. Eine Messung, die beides trennt, fehlt bisher. An anderen Arten ist gemessen, dass ein enger Topf die Pflanze kleiner hält, aber einen früheren Umschlag misst keine gelesene Arbeit.

  • Einen kleinen Topf nicht als Blühschalter einplanen.
  • Bei tropischen Sorten im begrenzten Topf zwei Tage getrennt notieren: die erste Blüte an der Triebspitze und die Erntereife.
  • Zum Vergleich Stecklinge derselben Mutterpflanze in zwei Topfgrößen ziehen.

Wie groß muss der Topf sein?

Maßgeblich ist das Verhältnis von Pflanzenmasse zu Wurzelraum, das Fachleute Biomasse-Volumen-Verhältnis nennen. Gemessen wird es in Gramm Trockenmasse, also dem Gewicht der Pflanze ohne Wasser, je Liter Substrat, dem Material im Topf wie Erde oder Kokos. Unter 2 g/L blieben die Topfeffekte gering, darüber wurden sie deutlich. Über 65 Versuche an 69 Pflanzenarten brachte eine Verdopplung des Topfes im Mittel 43 % mehr Masse, Cannabis war allerdings nicht darunter. Der enge Topf senkt vor allem die Nettophotosynthese, also den Zucker, den die Blätter nach Abzug ihrer eigenen Atmung gewinnen. Diese Bremse wirkt auch in Hydrokultur bei voller Versorgung.

Der Wert von 1 g/L ist eine Empfehlung für Versuchsaufbauten und kein Anbaurichtwert, denn er soll verhindern, dass ein Topfeffekt ein Experiment verfälscht. Reale Topfversuche lagen im Median, also beim mittleren Wert aller Versuche, bei 9,5 g/L, während sich für Feldbestände geschätzt 1 bis 3 g/L ergeben. Nähme man 1 g/L als Gartenregel, bräuchte eine Pflanze mit 500 g Trockenmasse ein Gefäß von 500 l. Das Verhältnis wächst von selbst, weil die Pflanze zunimmt und der Topf nicht. Kleine Töpfe heizen sich zudem stärker auf: 0,19-L-Töpfe waren am Tag 5 °C wärmer als 1,9-L-Töpfe.

  • Die erwartete Trockenmasse durch das Topfvolumen teilen, etwa 100 g durch 11 l zu rechnerisch rund 9 g/L.
  • 1 g/L nicht als Anbaurichtwert lesen.
  • Rechtzeitig umtopfen, denn ein für den Sämling reichlicher Topf kann dieselbe Pflanze acht Wochen später einengen.
  • Kleine Töpfe vor direkter Sonne und Heizwärme schützen.

Quellen