Phosphor (P) bei Cannabis – Mangel und Bedarf

Eine Pflanze bleibt gedrungen, und ihre unteren Blätter werden dunkelgrün und fleckig. So beginnt oft ein Phosphormangel. Phosphor ist einer der sechs Hauptnährstoffe. Die Pflanze baut ihn in ihr Erbgut und in ihre Zellmembranen ein, die Hüllen der Zellen. Außerdem überträgt sie mit ihm Energie. In der Blüte lagerte Cannabis rund 80 % seines Phosphors in die Blütenstände ein. Gebraucht wird trotzdem wenig: In Torf und in einer geschlossenen Hydrokultur brachte Phosphor über 15 bis 25 mg/L keinen Mehrertrag. Die Angabe mg/L heißt Milligramm je Liter Gießlösung.

Woran erkenne ich Phosphormangel?

Phosphormangel zeigt sich an dunkelgrünen unteren Blättern mit Flecken und an gedrungenem Wuchs. Wie der Mangel weiter aussieht, hängt an der Temperatur. In kühler oder nasser Kultur färben sich untere Blätter und Blattstiele lila. In warmer Kultur zeigt sich kaum Lila. Dann werden die unteren Blätter blassgelb und tragen olivgrüne Flecken, die wie nass wirken.

Lila allein beweist keinen Phosphormangel. Auch kranke Wurzeln und ein sehr saurer Wurzelraum färben untere Blätter lila, bei manchen Pflanzen auch Stickstoffmangel. In der Blüte begann der Mangel mit winzigen hellen Pünktchen auf den unteren Fächerblättern. Das sind die großen gefingerten Blätter an Stamm und Ästen. Die Pünktchen wuchsen zu braunen Flächen zusammen.

  • Alle Stadien mit ihren Verwechslungen beschreibt der Artikel zu Nährstoffmangel und Überdosierung.
  • Unten nachsehen: Phosphormangel beginnt an den alten Blättern, weil die Pflanze Phosphor aus ihnen in junge Blätter verlagert.
  • Lila nur zusammen mit dunkelgrünem Laub, gedrungenem Wuchs und Flecken als Hinweis lesen.
  • Wurzeln ansehen. Junge, gesunde Wurzeln sind klar bis durchscheinend.

Wie viel Phosphor braucht Cannabis?

Im Wachstum reichen 30 mg/L, in der Blüte hängt die Menge am Anbaumedium. Gemeint ist immer die Gießlösung, also das, was aus Kanne oder Tropfer kommt. Händler schreiben oft ppm statt mg/L. In Gießwasser bedeuten beide Angaben dasselbe.

Im Wachstum zeigten zwei Sorten bei 5 mg/L Mangel. Die eine war ab 15 mg/L voll versorgt, die andere erst ab 30 mg/L. In der Blüte brachte Phosphor in Torf über 25 mg/L keinen Nutzen mehr. In Perlite lag der beste Bereich bei 30 bis 90 mg/L. Perlite ist ein gebranntes Vulkangestein, das selbst kaum Nährstoffe hält. Oberhalb von 5 mg/L sanken in Perlite die Cannabinoidsäuren THCA und CBDA um bis zu 25 %, während die Blütenmasse wuchs.

  • Wachstum: 30 mg/L geben.
  • Blüte in Torf: 15 bis 25 mg/L genügen.
  • Blüte in Perlite mit täglichem Gießen und reichlich Sickerwasser: 30 bis 90 mg/L.
  • Hydrokultur, bei der die Wurzeln in der Nährlösung hängen: Die Befunde widersprechen sich. In einer geschlossenen Anlage genügten 15 mg/L, bei wöchentlichem Lösungstausch lag das errechnete Optimum bei rund 59 mg/L.
  • Gartenerde, Komposterde und Kokos wurden in diesen Versuchen nicht geprüft. Dort zeigt eine Laboranalyse von Substrat und Blatt, ob genug ankommt.
  • Wer auf Wirkstoffgehalt statt auf Blütenmenge düngt, bleibt am unteren Ende des Bereichs.

Schadet zu viel Phosphor?

Ein eigenes Schadbild zeigte Cannabis in drei Versuchen nicht, aber der Überschuss geht verloren. Bis 90 mg/L blieben zwei Sorten ohne Schäden. In einer Hydrokultur stieg der Phosphor an den Wurzeln auf über 300 mg/L, ohne sichtbaren Unterschied.

Was die Pflanze nicht aufnimmt, landet im Sickerwasser. Das ist das Wasser, das unten aus dem Topf läuft. In Torf ließ die dreifache Phosphorgabe den Phosphor im Sickerwasser auf das Zwölffache steigen. An anderen Kulturen verdrängt viel Phosphor Eisen, Mangan und Zink. An Cannabis ist das nicht entschieden.

  • Phosphor auf den Bedarf des Anbaumediums begrenzen.
  • Vergilbt der Neuaustrieb zwischen grünen Adern, auch an Eisenmangel durch zu viel Phosphor denken.
  • Den Phosphor im Dünger vom Etikett nachrechnen.
  • Dann den Phosphor senken. Ob es wirkt, zeigt der neue Austrieb.

Wie viel Phosphor steckt in meinem Dünger?

Das Etikett nennt Phosphor meist als P₂O₅, und dieser Wert mal 0,44 ergibt den Phosphor. In der EU schreibt die Düngerverordnung diese Oxidform vor. Ein Dünger mit 5 % P₂O₅ enthält also rechnerisch rund 2,2 % Phosphor.

Für mg/L braucht man noch die Dichte aus dem Datenblatt. Masseprozent beziehen den Gehalt auf das Gewicht, Volumenprozent auf das Volumen. Bei Masseprozent gilt für 1 ml je Liter: Prozent mal 10 mal Dichte. Bei einer Dichte von 1,2 g/ml und 2 ml je Liter kommen so rechnerisch rund 52 mg/L Phosphor in die Kanne. Das liegt über dem ganzen Bereich, der in Torf genügte.

  • Den ganzen Rechenweg mit Gießwasser zeigt der Artikel zum Berechnen der Nährlösung.
  • Den P₂O₅-Wert vom Etikett mal 0,44 nehmen.
  • Prüfen, ob das Etikett Masse- oder Volumenprozent nennt. Bei Volumenprozent entfällt die Dichte.
  • Säure zum Senken des pH-Werts mitrechnen. Der pH-Wert sagt, wie sauer eine Lösung ist.
  • Phosphorsäure liefert Phosphor. Im Gewächshaus säuert man an, bis noch 0,5 mmol/L Hydrogencarbonat übrig sind.
  • Bei Wasser mit 2 mmol/L Hydrogencarbonat bringt Phosphorsäure so rechnerisch rund 46 mg/L Phosphor. Das entspricht rechnerisch 5,6 °dH Karbonathärte.
  • Den Hydrogencarbonatwert der Wasseranalyse nehmen. Die dort genannte Karbonathärte kann auf die Gesamthärte gekappt sein.
  • Bei viel Hydrogencarbonat Salpetersäure statt Phosphorsäure wählen. Sie senkt den pH ohne Phosphor, bringt aber Stickstoff.

Was tue ich bei Phosphormangel?

Erst den Wurzelraum prüfen, dann den Phosphor anheben. Kühle, nasse Erde und kranke Wurzeln bremsen die Aufnahme, auch wenn genug Phosphor im Dünger steckt. In Erde wird Phosphor unter pH 6 knapp.

Phosphormangel säuert den Wurzelraum selbst an. Im Versuch fiel der pH im Sickerwasser auf 4,5, bei guter Versorgung lag er bei 5,8. Die Autoren dieses Versuchs sehen darin einen Weg zu Calcium- und Magnesiummangel.

  1. Temperatur und Nässe im Wurzelraum prüfen, Staunässe beheben.
  2. Den pH-Wert im Substrat messen. In erdlosen Substraten empfehlen Pflanzenernährer für Cannabis 5,8 bis 6,2. Im Sickerwasser kann der Wert etwas höher liegen.
  3. Den Phosphor im Dünger nachrechnen und auf den Bedarf anheben, in Torf auf 15 bis 25 mg/L.
  4. Den Neuaustrieb beobachten. Gefleckte Blätter erholen sich nicht, neue Blätter bleiben bei Erfolg ohne Flecken.
  5. Bleiben die neuen Blätter sauber, den Wert halten und nicht weiter erhöhen.

Quellen