Schwefel (S) bei Cannabis – Mangel und Bedarf
Die Blätter in der Mitte der Pflanze werden gelb, während die unteren dunkelgrün bleiben. Das Bild lässt an Stickstoffmangel denken. Bei normalem Leitwert ist eher Schwefelmangel die Ursache. Schwefel ist einer der sechs Hauptnährstoffe. Er steckt in den Eiweißbausteinen Cystein und Methionin. Aus Cystein baut die Pflanze auch Glutathion, ein Schutzmolekül gegen Zellschäden. Ohne Schwefel brachte eine THC-Sorte in der Blüte 34 % weniger Blütenertrag.
Woran erkenne ich Schwefelmangel?
Im Wachstum vergilben zuerst die gerade ausgewachsenen Blätter in der Pflanzenmitte, vom Blattansatz zur Spitze. Das Gelb reicht später bis in den jüngsten Austrieb. Die unteren Blätter bleiben im Wachstum dunkelgrün. Spät erscheinen helle, wie verbrannt wirkende Flecken, und die Pflanze bleibt gestaucht.
In der Blüte vergilbten zuerst die jüngsten Sugar Leaves, die kleinen Blätter in den Blütenständen. Eine Woche später standen die oberen Fächerblätter steil nach oben, und die unteren vergilbten von der Mittelrippe aus. Fächerblätter sind die großen gefingerten Blätter an Stamm und Ästen. Wo Schwefelmangel bei Cannabis zuerst sichtbar wird, beschreiben die Quellen je nach Phase verschieden.
- Alle Stadien mit ihren Verwechslungen beschreibt der Artikel zu Nährstoffmangel und Überdosierung.
- Im Wachstum Stickstoffmangel ausschließen. Er beginnt unten und steigt nach oben, Schwefelmangel lässt die unteren Blätter grün.
- Den Leitwert messen, kurz EC, also alle gelösten Salze zusammen. Im Wachstum gelten nach der NC-State-Gruppe 2,0 bis 3,0 mS/cm im Sickerwasser nach der PourThru-Methode als normal.
- Liegt der Leitwert in diesem Bereich, spricht eine Vergilbung in der Mitte eher für Schwefel als für Stickstoff.
- Den Dünger prüfen. Enthält er kein Sulfat, fehlt die übliche Schwefelquelle.
Wie viel Schwefel braucht Cannabis?
Einen Versuch mit abgestuften Schwefelgaben an Cannabis fand sich nicht. Die Grundlösungen von Versuchen zu anderen Nährstoffen enthielten zwischen 54 und 180 mg/L Schwefel. Die Angabe mg/L heißt Milligramm je Liter Gießlösung. Händler schreiben oft ppm statt mg/L, in Gießwasser bedeutet beides dasselbe.
Die NC-State-Gruppe empfiehlt 50 bis 200 ppm Schwefel aus Dünger und Substrat, mindestens 25 ppm. Eine Primärquelle nennt sie dafür nicht. Bei 6119 Hanfproben lag die mittlere Hälfte der Blattwerte bei 0,25 bis 0,36 % Schwefel in der Trockenmasse.
- Schwefel aus Dünger, Zusätzen und Wasser zusammenzählen. Leitungswasser bringt nach der NC-State-Gruppe 5 bis 30 ppm mit.
- Auf mindestens 25 mg/L Schwefel achten.
- Eine Blattprobe im Labor gegen 0,25 bis 0,36 % halten, zusammen mit einer Analyse von Substrat oder Lösung.
Woher kommt der Schwefel in meiner Lösung?
Aus Sulfat, denn als Sulfat nimmt die Pflanze Schwefel auf. Sulfat ist eine Verbindung aus Schwefel und Sauerstoff. Es steckt in Salzen wie Bittersalz mit rechnerisch rund 13 % Schwefel oder Kaliumsulfat mit rund 18 %. Auf EU-Düngeretiketten steht Schwefel meist als SO₃, und dieser Wert mal 0,40 ergibt den Schwefel. Wer SO₃ als Schwefel einträgt, rechnet 2,5-mal zu viel.
Auch Schwefelsäure zum Senken des pH-Werts bringt Schwefel mit. Der pH-Wert sagt, wie sauer eine Lösung ist. Hydrogencarbonat ist der Anteil im Wasser, der Säure abfängt und den pH hält.
- Calcium-Magnesium-Zusätze prüfen. Liefern sie Magnesium als Nitrat statt als Sulfat, bringen sie nach der NC-State-Gruppe keinen Schwefel.
- Beim Volldünger 20-10-20 sowie in Steinwolle oder Hydrokultur eine eigene Schwefelquelle sicherstellen. Auch hier sieht die NC-State-Gruppe Schwefelmangel.
- Den SO₃-Wert vom Etikett mal 0,40 nehmen.
- Schwefelsäure aus der pH-Korrektur mitzählen. Säuert sie Wasser mit 2 mmol/L Hydrogencarbonat auf 0,5 mmol/L an, bringt sie rechnerisch rund 24 mg/L Schwefel.
- Den ganzen Rechenweg mit Gießwasser zeigt der Artikel zum Berechnen der Nährlösung.
Schadet zu viel Schwefel?
Ein Blattbild für zu viel Schwefel fand sich an keiner Kultur beschrieben. Die NC-State-Gruppe warnt, dass über etwa 300 ppm die Aufnahme von Bor und Molybdän sinken kann. Eine Primärquelle nennt sie dafür nicht.
In einem Magnesiumversuch stieg mit der höchsten Magnesiumgabe auch das Sulfat. Die Schäden dieser Stufe lassen sich deshalb nicht allein dem Magnesium zuschreiben.
- In der laufenden Düngung Schwefel unter rund 300 mg/L halten.
- Bei Bormangel trotz Borgabe auch den Schwefel nachrechnen.
- Bittersalz nicht wiederholt ohne Messung geben, weil es Magnesium und Schwefel zugleich liefert.
Was tue ich bei Schwefelmangel?
Einmal Bittersalz geben und den Dünger auf eine Sulfatquelle umstellen. Die NC-State-Gruppe nutzt dieselbe Stoßgabe wie gegen Magnesiummangel, 2,4 g Bittersalz je Liter. Das sind rechnerisch rund 312 mg/L Schwefel und 238 mg/L Magnesium, also eine einmalige Durchlaufgießung und kein Dauerwert.
Gelbe Blätter erholen sich meist nicht. Ob die Abhilfe wirkt, zeigt der neue Austrieb.
- Den Dünger auf eine Schwefelquelle prüfen.
- Den Leitwert messen. Ist er normal, spricht das eher für Schwefel als für Stickstoff.
- Einmal mit Bittersalz gießen, sodass 5 bis 10 % als Sickerwasser ablaufen. Mengen und Grenzen stehen im Artikel über Magnesium.
- Danach dauerhaft einen sulfathaltigen Dünger nehmen.
- Den Neuaustrieb beobachten. Bleibt er grün, keine Stoßgaben wiederholen.
Quellen
- Cockson, Landis, Smith, Hicks und Whipker 2019, Nährstoffstörungen bei Cannabis sativa, Applied Sciences
- Llewellyn, Golem, Jones und Zheng 2023, Mangel an einzelnen Elementen in Wasserkultur, Plants
- Ontario Ministry of Agriculture, Food and Rural Affairs 2023, Bestimmungshilfe für Nährstoffmangel bei Hanf
- Whipker, Cockson, Smith und Landis 2019, Chlorose an oberen Blättern, Cannabis Business Times
- Veazie, Cockson und Whipker 2026, Schwefelmangel bei Cannabis, Cannabis Business Times
- Whipker, Cockson, Smith und Landis 2019, Magnesium in der Cannabisdüngung, Cannabis Business Times
- Veazie, Cockson und Whipker 2025, Randbrand an Cannabisblättern, Cannabis Business Times
- de Bont, Donnay, Couturier und Rouhier 2022, Schwefelaufnahme und schwefelhaltige Aminosäuren in Pflanzen, Frontiers in Plant Science
- Saloner und Bernstein 2020, Stickstoffversorgung im Langtag, Frontiers in Plant Science
- Bevan, Jones und Zheng 2021, Stickstoff, Phosphor und Kalium in der Blüte, Frontiers in Plant Science
- Morad und Bernstein 2025, Magnesium vom Mangel bis zur Vergiftung, Journal of Cannabis Research
- Suchoff und Kollegen, Blattwerte für Hanf, NC State Extension AG-904
- Verordnung (EU) 2019/1009, Anhang III, Kennzeichnung von Düngeprodukten
- van der Lugt (Hrsg.) 2016, Nährlösungen für Gewächshauskulturen, Eurofins Agro und Wageningen University & Research
- UMass Extension, Alkalität mit Säuren einstellen
- CIAAW, Standard-Atomgewichte