Saatgut ernten, reinigen und einlagern

Eigenes Saatgut braucht nach der Ernte mehrere Arbeitsschritte, bevor es ins Gefrierfach kann. Nach dem Drusch werden die Samen gesiebt und von tauben Körnern getrennt, danach getrocknet und dicht verpackt. Jeder Schritt endet an einem Zustand, den man sehen oder wiegen kann. Wer die Reihenfolge einhält, bekommt eine saubere Partie, die über Jahre keimfähig bleibt.

Wann sind die Samen reif für den Drusch?

Reife Samen sind hart und von grün nach braun umgeschlagen, und daran richtet sich der Erntetermin. Eine Tageszahl ab der Bestäubung nennt keine Quelle, deshalb entscheidet das Korn und nicht der Kalender. Getrocknet wird danach die ganze Pflanze kopfüber oder nur die Blüten ohne Stängel, und der zweite Weg geht schneller.

Gedroschen wird erst, wenn das Blütenmaterial ganz trocken ist. Drusch heißt das Herauslösen der Samen aus den Blüten. Frisch gedroschene Samen tragen dagegen noch 22–30 % Wasser und können sich schon nach zwei bis vier Stunden erwärmen.

  • Erst dreschen, wenn die Stängelchen beim Biegen knacken.
  • Wer frisch drischt, breitet die Samen binnen drei bis vier Stunden dünn aus oder belüftet sie.
  • Frisch gedroschenes Saatgut binnen drei bis fünf Tagen in die Trocknung bringen.

Wie siebe ich die Samen aus und blase das Grün heraus?

Gesiebt wird in zwei Durchgängen, und dazwischen trocknet die anhaftende Hülle ab. Gerieben wird mit leichtem Druck, ohne die Schale anzuritzen oder zu quetschen. Bewährt hat sich dieser Siebsatz:

  • ein grobes Sieb von 4–5 mm, durch das die Blüten gerieben werden
  • darunter 3,6 mm, 3,0 mm, 2,5 mm und 1,8 mm zum Sortieren nach Größe

Welche Maschen passen, hängt an der Sorte, denn gemessen sind Körner von 4–5 mm Länge und 3–4 mm Dicke. Loses Grün geht danach mit einem Luftstrom heraus, und dafür reicht der eigene Atem.

  1. Die trockenen Blüten über dem groben Sieb zerreiben, bis alles hindurch ist.
  2. Das Gesiebte in flachen Kisten von 60 × 40 cm mit 7,5 cm Rand antrocknen lassen, bis die Hülle trocken ist.
  3. Ein zweites Mal über den feineren Stufen reiben; die Kapselreste gehen als Bruch durch die feinste Masche.
  4. Die Kiste leicht schräg halten und alles an die untere Seite schütteln.
  5. Vom unteren Ende das Grün den Hang hinauf blasen und das grobe Grün oben von Hand abnehmen.
  6. Bei leichtem Rütteln wiederholen, bis die Samen sauber unten liegen.

Wann trockne ich die Samen?

Nach dem Sieben liegen die Samen dünn ausgebreitet in der Raumluft, bis ihr Gewicht steht. Das gibt den Ausgangswert für das Wiegen und gleicht die Partie vor der Dichtetrennung an. Auf den Lagerwert von 5–7 % bringt Raumluft das Saatgut aber nicht. Wie man weiter trocknet und das Ende misst, steht mit dem Trocknungsrechner im Artikel über das Trocknen von Saatgut.

Wie trenne ich taube Körner ab?

Taube Körner trennt die Dichtetrennung, das Sortieren nach Gewicht je Volumen in einem Aspirator. Ein Aspirator ist ein Rohr, in dem Luft von unten nach oben strömt. Bei gleich großen Körnern trägt der Luftstrom die leeren aus und lässt die vollen fallen. Ein Sieb kann das nicht, weil ein volles und ein taubes Korn gleicher Größe in derselben Fraktion landen.

Ein feuchtes Korn ist schwerer als dasselbe Korn trocken, und deshalb sollten trockene Körner schärfer trennen. Gemessen ist das nicht.

  • Vor dem Aspirator noch einmal nach Größe sieben, damit im Luftstrom nur die Dichte streut.

Wie lagere ich die Partie ein?

Die fertige Partie gehört in ein dampfdichtes Gefäß, sonst nimmt sie aus der Raumluft wieder Wasser auf. Welche Gefäße dicht halten, steht im Artikel über Lagergefäße für Saatgut.

Ein Keimtest kurz nach der Ernte oder nach dem Auftauen unterschätzt die Partie leicht. Frisch geerntetes Hanfsaatgut ruht etwa 35 bis 42 Tage und keimt in dieser Zeit schlecht. Nach zwei Jahren im Gefrierfach keimten in einem Versuch nur 66 % der Samen, obwohl rund 90 % noch lebten. Wie man diese Keimruhe abkürzt, steht im Artikel über die Keimruhe.

  • Gefäße aus Kühlschrank oder Gefrierfach erst bei Raumtemperatur öffnen.
  • Saatgut vor Keimtest und Aussaat 24 Stunden über feuchter Luft vorquellen lassen.

Quellen