Saatgut trocknen: Wassergehalt und Trocknungsrechner

Beim Trocknen verliert gereinigtes Saatgut so viel Wasser, dass es über Jahre keimfähig bleibt. Gemessen wird das am Wassergehalt, dem Anteil Wasser am Gewicht des Samens. Feuchte Samen altern schnell, und ohne Kühlung gilt das besonders. Wie trocken das Saatgut am Ende wird, bestimmt die Luft um die Samen. Ob es so weit ist, zeigt die Waage, und der Trocknungsrechner unten rechnet das Zielgewicht aus.

Wie trocken muss Saatgut für die Lagerung sein?

Hanfsaatgut gehört für eine Lagerung über Jahre auf 5–7 % Wassergehalt, und die Mitte liegt bei 6 %. Diesen Bereich stützen zwei Lagerversuche an Hanf. Bei 21 °C Raumtemperatur keimte Saatgut mit 6 % Wassergehalt nach zwei Jahren noch zu 89 %. Saatgut mit 14 % Wassergehalt keimte bei derselben Wärme schon nach drei Monaten gar nicht mehr.

Im Gefrierfach bei −20 °C keimten Samen mit 5 % bis 12 % Wassergehalt nach drei Jahren gleich gut. Trocken lagern lohnt sich dort trotzdem, denn bei einem Ausfall der Kühlung überlebt nur trockenes Saatgut.

In keinem Versuch an Hanf schadete ein Wassergehalt unter 6 %, unter 5 % ist Hanf aber nicht geprüft. Bei kalter Lagerung liegt der günstigste Wassergehalt nach den Saatgutbanken etwas höher als bei warmer. Für das Gefrierfach spricht deshalb mehr für das feuchte Ende des Zielbereichs.

Welche Luftfeuchte stellt bei Hanf welchen Wassergehalt ein?

Samen geben so lange Wasser an die Luft ab, bis sie mit ihr im Gleichgewicht stehen. Danach ändert auch langes Liegen nichts mehr. Den Wassergehalt in diesem Zustand nennt man Gleichgewichtsfeuchte, mehr dazu im Artikel über die Gleichgewichtsfeuchte. Für Hanf bei 20 °C gilt diese Übersicht:

Luftfeuchte um das SaatgutWassergehalt im KornBewertung
15 %4,2 %trockener als nötig
25 %5,5 %im Zielbereich
30 %6,1 %im Zielbereich
50 %8,2 %zu feucht

Die Werte stammen aus einer Schätzgleichung, die an Messungen an Hanf geprüft ist. Wie gut sie trifft, steht im Artikel über die Sorptionsisotherme.

Zeigt das Hygrometer bei den Samen 21–38 % Luftfeuchte, liegt das Saatgut im Zielbereich. Normale Raumluft ist mit rund 50 % zu feucht und bringt das Saatgut nur auf etwa 8 %. Diese Vortrocknung reicht aber als Ausgangswert für das Wiegen. Die Werte gelten für 20 °C, und bei anderer Temperatur rechnet der Trocknungsrechner unten.

Wie trockne ich unter die Feuchte der Raumluft?

Tiefer kommt das Saatgut nur in einem dichten Behälter mit Silicagel oder über einer gesättigten Salzlösung. Silicagel ist ein Trockenmittel und zieht Wasser aus der Luft. Es trocknet leicht zu weit, denn schon ein Zehntel des Saatgutgewichts zieht eine Partie von 6 % unter 5 %.

Eine gesättigte Salzlösung hält die Luft im geschlossenen Behälter auf einer festen Feuchte und kann deshalb nicht übertrocknen. Über Magnesiumchlorid sind es bei 20 °C 33,07 %, und Hanf kommt dort rechnerisch auf 6,1–6,4 %. Bis zum Gleichgewicht dauert es mehrere Wochen, dafür muss niemand danebenstehen.

  1. Das Saatgut in Papiertüten wiegen, Tüte samt Samen.
  2. Mit Silicagel: Tüten und Gel in eine dichte Box geben und das Saatgut beim Sollgewicht herausnehmen.
  3. Mit Salz: 250 g Magnesiumchlorid-Hexahydrat, im Handel als „47 % MgCl₂“, mit 50 ml Wasser zu einem Brei ansetzen.
  4. Salz nachgeben, sobald im Brei keine Kristalle mehr zu sehen sind.
  5. Lösung und Saatgut in getrennte Fächer einer dichten Glasbox stellen, ohne dass das Saatgut die Lösung berührt.

Woran erkenne ich das Ende der Trocknung?

Bleibt das Gewicht an zwei Tagen hintereinander gleich, steht das Saatgut im Gleichgewicht mit der Luft. Ein einzelner ruhiger Tag reicht nicht, weil Wasser aus dem Inneren des Korns nur langsam nachkommt. Die Unterschiede sind klein, und deshalb braucht man eine Feinwaage mit 0,01 g Auflösung. Für einen Zielwert unter dem Gleichgewicht der Raumluft wiegt man gegen ein Sollgewicht aus dem Trocknungsrechner. Den Ausgangswert dafür liefert eine kleine Probe, die man im Ofen ganz austrocknet. Wie das bei Hanf geht, steht im Artikel über den Wassergehalt von Saatgut.

Das Hygrometer ist ein zusätzlicher Anzeiger, die Waage bleibt der Maßstab. Dafür kommt eine Probe der Samen ohne Silicagel in ein dichtes Glas. Nach einigen Stunden hat sich die Luft im Glas den Samen angeglichen, und das Hygrometer zeigt ihren Zustand. Mit der Tabelle oben wird aus der Anzeige ein Wassergehalt. Neben aktivem Silicagel misst das Gerät dagegen die Luft, die das Gel gerade trocknet.

Billige Hygrometer zeigten in einem Test 1,4 bis 3,6 Punkte zu viel an. Zeigerhygrometer sind für diesen Zweck zu ungenau. Prüfen lässt sich jedes Gerät über der Magnesiumchlorid-Lösung aus dem Abschnitt oben, weil ihre Luftfeuchte bekannt ist.

  • Die leere Tüte wiegen und ihr Gewicht im Rechner als Verpackung eintragen.
  • Täglich zur selben Uhrzeit wiegen und die Zahl notieren.
  • Das Glas mindestens zu einem Fünftel füllen, Samen und Glas gleich warm.
  • Erst nach einigen Stunden ablesen und dabei die Temperatur notieren.
  • Die Abweichung des Hygrometers über der Salzlösung als Korrekturwert notieren.

Trocknungsrechner

Sobald sich das Gewicht an zwei Tagen hintereinander nicht mehr ändert, steht das Saatgut im Gleichgewicht mit der Luft um es herum. Aus deren Luftfeuchte und Temperatur ergibt sich dann sein Wassergehalt, und daraus das Gewicht, das es für einen Zielwert noch verlieren muss.

Was gemessen wurde

Stand beim Start

Wohin es gehen soll

Der Zielbereich für Hanf liegt bei 5 % bis 7 %. In zwei Lagerversuchen hielt Saatgut mit 5 % oder 6 % Wassergehalt seine Keimung mindestens so gut wie feuchteres. Der Bereich gilt für Kühlschrank und Gefrierfach gleich, und fürs Gefrierfach spricht die Beleglage eher gegen das untere Ende. Unter 4 % kann Trocknung bei manchen Arten schaden.

Alle Zielstufen

Die Zeile zur eingestellten Zielfeuchtigkeit ist hervorgehoben.

ZielfeuchtigkeitBruttoNettoNoch zu verlieren

Wo stehe ich jetzt

Der Wassergehalt ist mit einer Schätzgleichung und einem Ölanteil von 32 % berechnet, nicht gemessen. Gemessene Hanf-Isothermen reichen von etwa 20 % bis 94 % Luftfeuchte. Im trockenen Bereich liegt die Rechnung nahe an den Messungen, bei 94 % knapp drei Prozentpunkte zu hoch. Das Zielgewicht ist so genau wie der Wassergehalt beim Start und die Waage.

Wie lange dauert die Trocknung?

Eine feste Dauer gibt es nicht, deshalb entscheidet die Waage. Im Laborversuch brauchte schon vorgetrocknetes Hanfsaatgut dünn ausgebreitet zwei Wochen bis etwa 5 %. Die letzten Prozentpunkte dauern am längsten, weil das Korn sein Wasser zuletzt nur langsam abgibt.

Mit Wärme zu trocknen ist bei Hanfsaatgut nicht geprüft. Bei Soja und Erdnuss riss die Samenschale, wenn die Samen zu schnell austrockneten. Saatgutbanken trocknen bei 5–20 °C und damit ohne Wärme.

  • Bei Raumtemperatur trocknen und nicht mit Wärme nachhelfen.

Quellen