Calcium (Ca) bei Cannabis – Mangel und Bedarf

Die Triebspitze bleibt gestaucht, und neue Blätter wachsen schief und am Ansatz blass. So beginnt im Wachstum ein Calciummangel. Calcium ist einer der sechs Hauptnährstoffe und festigt Zellwände und Zellmembranen. Die Pflanze kann es aus alten Blättern kaum abziehen. In junge Blätter gelangt es fast nur mit dem Wasser, das die Blätter verdunsten. Deshalb kann es bei feuchter, stehender Luft fehlen, auch wenn genug im Dünger steckt.

Woran erkenne ich Calciummangel?

Im Wachstum zeigt sich Calciummangel zuerst an Triebspitzen und jungen Blättern. Die neuen Teilblätter sind am Ansatz schmaler und heller als an der Spitze. Später vergilbt es zwischen den Adern, die Ränder sterben ab, und Blätter wachsen verdreht. Zuletzt stirbt die Triebspitze, und darunter treiben viele Seitentriebe.

In einem Blüteversuch begann der Mangel dagegen an den unteren Fächerblättern. Fächerblätter sind die großen gefingerten Blätter an Stamm und Ästen. Zwischen den Adern erschienen Flecken aus einem gelben Ring um eine braune Mitte. Die Lösung dieses Versuchs enthielt viel Natrium, das nach den Forschern mitgewirkt haben kann.

  • Alle Stadien mit ihren Verwechslungen beschreibt der Artikel zu Nährstoffmangel und Überdosierung.
  • Im Wachstum oben nachsehen: Dort beginnt Calciummangel am Neuaustrieb, während die unteren Blätter grün bleiben.
  • Bormangel ausschließen. Im mittleren Stadium rollt sich bei Bor das ganze Blatt nach unten, bei Calcium nur der Rand.
  • Im Wachstum Kaliummangel ausschließen. Er verbrennt die Ränder unten, Calciummangel oben.
  • Die Pilzkrankheit Septoria-Blattflecken ausschließen. Sie beginnt an feuchten inneren Blättern und zeigt später graue Mitten mit winzigen schwarzen Punkten.

Wie viel Calcium braucht Cannabis?

Einen Versuch mit abgestuften Calciumgaben an Cannabis fand sich nicht. Bekannt sind nur die Grundlösungen von Versuchen, die andere Nährstoffe prüften. Sie enthielten zwischen rechnerisch rund 45 und 260 mg/L Calcium. Die Angabe mg/L heißt Milligramm je Liter Gießlösung.

Gebraucht wird Calcium trotzdem. In einem Blüteversuch brachten Lösungen ohne Calcium 30 bis 50 % weniger Pflanzen- und Blütenmasse, ebenso Lösungen ohne Kalium, Magnesium oder Schwefel. Bei 6119 Hanfproben lag die mittlere Hälfte der Blattwerte bei 1,5 bis 2,9 % Calcium in der Trockenmasse.

  • Calcium aus dem Leitungswasser mitzählen. Es steht in der Wasseranalyse des Versorgers.
  • Die Karbonathärte gibt an, wie viel gelösten Kalk das Wasser trägt. Wasser mit mäßiger Karbonathärte bringt oft schon 40 bis 60 mg/L Calcium mit.
  • Osmosewasser und weiches Wasser bringen kaum Calcium mit. Dann muss der Dünger es liefern.
  • Prüfen, ob der Dünger überhaupt Calcium enthält. Manche Volldünger wie 20-10-20 enthalten keines.
  • Eine Blattprobe im Labor gegen 1,5 bis 2,9 % halten, zusammen mit einer Analyse von Substrat oder Lösung.

Warum fehlt Calcium, obwohl ich genug dünge?

Calcium kommt fast nur mit dem Verdunstungsstrom nach oben, und den bremsen feuchte und stehende Luft. Wie stark die Luft dem Blatt Wasser entzieht, beschreibt das Dampfdruckdefizit, kurz VPD. Ist es niedrig, verdunstet das Blatt wenig und bekommt wenig Calcium.

Auch Gegenspieler drücken die Aufnahme, etwa viel Kalium, Magnesium und Mangan. Dazu zählt Ammonium, eine der beiden Stickstoffformen im Dünger. In Erde wird Calcium unter pH 6,5 knapp. Der pH-Wert sagt, wie sauer eine Lösung ist. Ungepuffertes Kokos bindet nach Herstellerangaben Calcium und Magnesium aus der Nährlösung.

  1. Luftfeuchte und VPD messen und stehende Luft vermeiden.
  2. Dünger auf viel Kalium, Magnesium und Ammonium prüfen. Wie viel Kalium reicht, steht im Artikel über Kalium.
  3. In Erde den pH-Wert messen.
  4. In Kokos gepuffertes Material verwenden. Diese Empfehlung stammt aus Herstellerangaben.
  5. Erst dann Calcium anheben und den Neuaustrieb beobachten. Verformte Blätter erholen sich nicht.

Was richtet zu viel Calcium an?

An Cannabis ist kein eigenes Schadbild beschrieben. An Tomaten mit viel Calcium und an Geranien mit Kalkgaben führte zu viel Calcium zu Magnesiummangel. Das geschah auch bei ausreichender Magnesiumgabe.

An Zierpflanzen gilt viel Calcium auch als Gegenspieler von Bor. An Gewächshausgurken drückten viel Calcium und Magnesium aus Dünger und Wasser das Kalium. Wer den pH-Wert mit Kalk anhebt, gibt dabei Calcium mit. Mit steigendem pH stieg das Calcium im Hanfblatt von 1,03 auf 2,86 %.

  • Hartes Gießwasser, Kalk oder Dolomit im Substrat und Calcium-Magnesium-Zusätze zusammenrechnen.
  • Bei Magnesiummangel trotz Magnesiumgabe an zu viel Calcium denken.
  • Calcium im Dünger an das Wasser anpassen. Ob es wirkt, zeigt der neue Austrieb.

Wie gebe ich Calcium richtig?

Meist als Calciumnitrat, und das bringt immer Stickstoff mit. Gehandelt wird es meist als Doppelsalz mit Ammoniumnitrat. Dieses enthält rechnerisch rund 18,5 % Calcium und 15,6 % Stickstoff, davon 1,3 Prozentpunkte als Ammonium. Ein Gramm davon je Liter liefert also rechnerisch rund 185 mg/L Calcium und 156 mg/L Stickstoff.

Reines Calciumnitrat-Tetrahydrat enthält rechnerisch rund 17 % Calcium und 11,9 % Stickstoff. Welche Form im Sack ist, sagt das Datenblatt. Auf EU-Düngeretiketten steht Calcium meist als CaO, und dieser Wert mal 0,71 ergibt das Calcium.

  • Den ganzen Rechenweg mit Gießwasser zeigt der Artikel zum Berechnen der Nährlösung.
  • Den Stickstoff aus Calciumnitrat beim Stickstoffwert der Lösung mitzählen.
  • Den CaO-Wert vom Etikett mal 0,71 nehmen.
  • Calciumdünger getrennt von Sulfat- und Phosphatdüngern ansetzen, sonst fällt im Konzentrat ein Niederschlag aus.
  • Stammlösungen unter pH 5 halten.

Quellen